Junge Menschen pflegen Kriegsgräber: Reinickendorf setzt ein starkes Zeichen für Frieden
- MER-Redaktion

- 16. Juni
- 2 Min. Lesezeit
Reinickendorf - In Reinickendorf wird Erinnerungskultur in diesem Sommer ganz praktisch: 20 Jugendliche aus neun Ländern kommen in den Bezirk, um Gräber von Opfern von Krieg und Gewaltherrschaft zu pflegen. Bei zwei internationalen Workcamps packen sie auf Friedhöfen in Heiligensee und Reinickendorf mit an – und setzen damit ein sichtbares Zeichen für Frieden, Verantwortung und Verständigung.
Junge Helfer aus aller Welt kommen nach Berlin
Die internationalen Jugendbegegnungen werden vom Verein Internationale Jugendgemeinschaftsdienste (ijgd) – Bundesverein e. V. organisiert.
Sie finden in Zusammenarbeit mit der Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt statt.
Das erste Workcamp läuft vom 29. Juni bis 8. Juli 2026 auf dem landeseigenen Friedhof Heiligensee an der Sandhauser Straße 110. Das zweite Workcamp folgt vom 27. Juli bis 6. August 2026 auf der Kriegsgräberstätte Reinickendorf am Freiheitsweg 64 sowie auf dem landeseigenen Friedhof Reinickendorf in der Humboldtstraße 74–90.
Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer kommen aus Aserbaidschan, Deutschland, Irland, Italien, Mexiko, Russland, Spanien, der Türkei und Vietnam. Gemeinsam übernehmen sie Pflegearbeiten an Gräbern von Menschen, die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft wurden.
Erinnerungskultur mit Schaufel, Harke und Verantwortung
Die Arbeit der Jugendlichen ist konkret und sichtbar. Sie erneuern Rasenflächen auf Bestattungsflächen, schneiden Grünflächen frei und reinigen Grabzeichen sowie deren Einfassungen.
Damit leisten sie nicht nur praktische Unterstützung für die Friedhofspflege. Sie helfen auch dabei, Orte des Gedenkens würdig zu erhalten. Gerade in einer Zeit, in der Frieden und internationale Verständigung wieder stärker ins öffentliche Bewusstsein rücken, bekommen solche Begegnungen eine besondere Bedeutung.
In Reinickendorf befinden sich insgesamt 5.380 Gräber von Opfern von Krieg und Gewaltherrschaft. Sie liegen auf sieben der zehn landeseigenen Friedhöfe des Bezirks.
Die Verantwortung für diese Gräber liegt bei der Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt. Die Pflege und Unterhaltung wurden dem Bezirksamt Reinickendorf übertragen.
Begegnung über Grenzen hinweg
Die Jugendlichen sind während ihres Aufenthalts in der Gäste-Etage an der Osloer Straße in Wedding sowie auf dem Zeltlagerplatz Heiligensee untergebracht. Beide Einrichtungen werden in Selbstverpflegung genutzt.
Neben den Arbeitseinsätzen bleibt auch Zeit, Berlin kennenzulernen. Das Programm soll den jungen Menschen Gelegenheit geben, miteinander ins Gespräch zu kommen, unterschiedliche Perspektiven kennenzulernen und Erfahrungen über Länder- und Kulturgrenzen hinweg zu teilen.
Damit verbinden die Workcamps gleich mehrere wichtige Ziele: praktische Hilfe vor Ort, aktive Erinnerungsarbeit und internationale Jugendbegegnung. Aus Pflegearbeiten auf Friedhöfen wird so ein Beitrag zu Respekt, Dialog und friedlichem Miteinander.
Eine Idee mit langer Geschichte
Die internationalen Workcamps gehen auf eine Initiative des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge aus dem Jahr 1954 zurück. Seit 1994 werden die Jugendbegegnungen als internationale Workcamps vom ijgd-Bundesverein organisiert.
Die Grundidee ist bis heute aktuell: Junge Menschen aus verschiedenen Ländern arbeiten gemeinsam an Orten des Gedenkens. Sie setzen sich mit Geschichte auseinander, übernehmen Verantwortung und zeigen, dass Erinnerungskultur nicht abstrakt bleiben muss.
In Reinickendorf wird diese Idee nun erneut sichtbar. Die Jugendlichen übernehmen Aufgaben, die dem Bezirk, den Friedhöfen und der Erinnerung an die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft zugutekommen.
Finanzierung aus Bundesmitteln
Die Kosten für die Workcamps liegen bei rund 5.000 Euro. Finanziert werden sie aus Bundesmitteln zur Unterhaltung der Gräber der Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft.
Diese Mittel werden dem Bezirksamt von der Senatsverwaltung zur Verfügung gestellt.
Für Reinickendorf ist das Projekt damit ein starkes Beispiel dafür, wie praktische Friedhofspflege, junge internationale Begegnung und gelebte Erinnerungskultur zusammenkommen.




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