Berlin lässt die Jüngsten abstimmen: Erstmals U16-Wahl zum Abgeordnetenhaus
Berlin - Noch bevor die reguläre Abgeordnetenhauswahl ansteht, haben Tausende Kinder und Jugendliche in der Hauptstadt ihre politische Stimme sichtbar gemacht: Am 11. September fand erstmals eine U16-Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus und zu den Bezirksverordnetenversammlungen statt. In rund 340 Wahllokalen konnten junge Berlinerinnen und Berliner unter 16 Jahren symbolisch abstimmen.
Demokratie zum Ausprobieren
Unter dem Motto „Weil Meinung kein Alter kennt“ öffneten Wahllokale unter anderem in Schulen, Jugendfreizeiteinrichtungen, Bibliotheken und weiteren Einrichtungen. Dort konnten Kinder und Jugendliche erleben, wie eine Wahl funktioniert, sich mit politischen Positionen auseinandersetzen und ihre eigenen Vorstellungen einbringen.
Hintergrund für die neue Bezeichnung als U16-Wahl ist die Absenkung des regulären Wahlalters bei der Berliner Abgeordnetenhauswahl auf 16 Jahre. Das bislang als U18-Wahl bekannte Format richtet sich deshalb bei der Landeswahl nun erstmals ausschließlich an diejenigen, die noch nicht regulär wählen dürfen.
Die U16-Wahl ist dabei keine offizielle Wahl und hat keinen Einfluss auf das Ergebnis der regulären Berliner Wahlen. Sie ist vielmehr ein Projekt der politischen Jugendbildung.
Günther-Wünsch: Junge Menschen früh beteiligen
Bildungssenatorin Katharina Günther-Wünsch betonte die Bedeutung früher demokratischer Erfahrungen. Demokratie lebe davon, dass Menschen sich einbrächten, unterschiedliche Positionen kennenlernten und miteinander um Lösungen rängen.
Die U16-Wahl schaffe nach ihren Worten einen Raum, in dem junge Menschen demokratische Prozesse praktisch erleben, politische Fragen diskutieren und eigene Standpunkte entwickeln könnten. Zugleich werde sichtbar, welche Themen Kinder und Jugendliche beschäftigten.
Auch der elfjährige Fridolin, der in einem Pressewahllokal seine Stimme abgab, beschrieb die Abstimmung als Möglichkeit, früh Verantwortung zu übernehmen.
Wahl ist Abschluss eines längeren Bildungsprozesses
Hinter der Abstimmung steckt mehr als der eigentliche Wahltag. In den Wochen und Monaten zuvor beschäftigten sich Kinder und Jugendliche in verschiedenen Einrichtungen mit politischen Themen, Parteien und demokratischen Entscheidungsprozessen.
Grundsätzlich können bei den U16- und U18-Wahlen junge Menschen unterhalb der jeweiligen regulären Wahlaltersgrenze unabhängig von ihrer Staatsangehörigkeit teilnehmen.
Die Ergebnisse solcher Jugendwahlen sind allerdings nicht repräsentativ.
Anders als bei einer offiziellen Wahl werden beispielsweise keine repräsentative Stichprobe oder sämtliche rechtlichen Wahlstandards zugrunde gelegt. Die Abstimmung soll vor allem politische Bildung und Beteiligung ermöglichen.
Format gibt es seit 30 Jahren
Die U16- und U18-Wahlen haben in Berlin eine lange Geschichte und bestehen inzwischen seit rund 30 Jahren. Bei der U18-Wahl zur Bundestagswahl 2025 beteiligten sich nach Angaben der Senatsbildungsverwaltung allein in Berlin 32.497 junge Menschen.
Seit 2025 liegt die Landeskoordinierung beim Landeskompetenzzentrum für Beteiligung und Demokratiebildung in der Kinder- und Jugendhilfe. Das Zentrum befindet sich in Trägerschaft des Pestalozzi-Fröbel-Hauses und wird durch die Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie finanziert. In den Bezirken unterstützen zusätzliche Koordinierungsstellen die beteiligten Einrichtungen.
Die reguläre Wahl zum 20. Berliner Abgeordnetenhaus und zu den Bezirksverordnetenversammlungen findet am 20. September 2026 statt. Dabei dürfen erstmals auch 16- und 17-Jährige an der Abgeordnetenhauswahl teilnehmen.





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