Neues Angebot für Kinder in Not: Spandau baut Bereitschaftskrisenpflege auf
Spandau - Anlässlich des 24. Berliner Pflegefamilientages in der Zitadelle Spandau am 6. September hat die Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie grünes Licht für den Aufbau einer Bereitschaftskrisenpflege in den Berliner Bezirken gegeben.
Auch Spandau will das neue Angebot umsetzen: Das Jugendamt plant zunächst zwei Stellen und sucht Einzelpersonen oder Familien, die kurzfristig und verbindlich Kinder im Säuglings- und Kleinkindalter aufnehmen können.
Rund 230 Pflegekinder leben bereits in Spandau
Der Bedarf an verlässlichen Pflegefamilien ist groß. Nach Angaben des Bezirksamtes leben derzeit rund 230 Pflegekinder in Spandau. Pflegefamilien übernehmen Verantwortung für Kinder, die vorübergehend oder dauerhaft nicht bei ihren leiblichen Eltern leben können. Sie geben ihnen einen familiären Alltag und begleiten sie in ihrer Entwicklung.
Tanja Franzke, Bezirksstadträtin für Jugend, Gesundheit und Ordnung, betont die Bedeutung dieses Engagements. Wenn Kinder und Jugendliche aus ihrer vertrauten Umgebung herausgenommen würden, bräuchten sie Menschen, die ihnen Geborgenheit gäben.
Pflegepersonen leisteten dabei einen wichtigen und verantwortungsvollen Beitrag für die Gesellschaft und verdienten Anerkennung und Unterstützung.
Mit der Bereitschaftskrisenpflege wolle Spandau nun ein zusätzliches Angebot schaffen, das Kindern in akuten Krisensituationen schnell ein sicheres Zuhause auf Zeit gebe, erklärte Franzke.
Sicherer Ort in einer akuten Krise
Anders als bei längerfristigen Pflegeverhältnissen ist die Bereitschaftskrisenpflege ausdrücklich als kurzfristige Hilfe gedacht. Ein bis zwei Kinder im Alter von null bis sechs Jahren können dabei durch das Jugendamt in einer Pflegefamilie untergebracht werden – beispielsweise nach einer Inobhutnahme oder in einer anderen akuten Krisensituation.
Die Bereitschaftspflege soll dem Kind zunächst einen geschützten familiären Rahmen bieten und dabei helfen, die Situation zu stabilisieren. Gleichzeitig klärt das Jugendamt, welche weitere Perspektive für das Kind geeignet ist. Von Beginn an steht damit fest, dass die Unterbringung zeitlich begrenzt ist.
Berlin stärkt Pflegefamilien
Das Land Berlin hat seine Unterstützung für Pflegefamilien in den vergangenen Jahren ausgebaut. Seit 2023 wurde die Pflegekinderhilfe nach Angaben des Bezirksamtes mit einem umfangreichen Maßnahmenpaket gestärkt.
Dazu gehört seit 2025 auch der sogenannte „Startbonus Pflegekind“. Bei der Aufnahme eines Kindes bis zum Schuleintritt können Pflegepersonen demnach für höchstens zwölf Monate zusätzlich bis zu 924 Euro monatlich erhalten.
Daneben verweist der Bezirk auf wohnortnahe Beratungs- und Unterstützungsangebote, zusätzliche therapeutische Hilfen, Ferienreisen für Pflegekinder sowie Supervisionsangebote für Pflegeeltern. Mit der unabhängigen Beratungs- und Ombudsstelle PRIO gibt es zudem eine Anlaufstelle für junge Menschen in Pflegefamilien und stationären Hilfen.
Spandau sucht Menschen, die Verantwortung übernehmen
Interessierte müssen sich dabei nicht zwingend von Beginn an für eine langfristige Pflege entscheiden. Gerade die Bereitschaftskrisenpflege richtet sich an Menschen, die einem kleinen Kind in einer besonders schwierigen Situation vorübergehend Sicherheit und Stabilität geben möchten.
Franzke ermutigt deshalb auch Menschen, die sich eine solche Aufgabe grundsätzlich vorstellen könnten, sich zunächst beraten zu lassen und Kontakt mit dem Jugendamt aufzunehmen.
Die öffentliche Anerkennung für Pflegefamilien soll ebenfalls weiter gestärkt werden.
2026 fand erstmals ein berlinweiter Jahresempfang statt. Der Berliner Pflegefamilientag wird bereits seit 24 Jahren veranstaltet und wechselt jährlich zwischen den Bezirken.
Kontakt für Interessierte: Bezirksamt Spandau von BerlinJugendamt
E-Mail: jugendundgesundheit@ba-spandau.berlin.de
Telefon: 030 90279-2293





Kommentare