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Evaluation bestätigt Familienrat: In 31 Fällen konnten Kinder bei ihren Familien bleiben

21. Aug.
3 Min. Lesezeit

Marzahn-Hellersdorf – Familien in schwierigen Situationen frühzeitig stärken und gemeinsam Lösungen finden, bevor Kinder möglicherweise außerhalb ihrer Familie untergebracht werden müssen: Eine neue Evaluation zum Familienrat in Marzahn-Hellersdorf bestätigt nach Angaben der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie die Wirksamkeit des Ansatzes.


Die Ergebnisse wurden jetzt gemeinsam von der Senatsverwaltung und dem Bezirksamt Marzahn-Hellersdorf vorgestellt. Untersucht wurden unter anderem die Auswirkungen des Familienrats auf Familien und junge Menschen sowie der Einsatz des Instruments im Kinderschutz.


31 Herausnahmen konnten vermieden werden

Besonders deutlich wird das Ergebnis bei 95 untersuchten Fällen: Nach Angaben von Bildungssenatorin Katharina Günther-Wünsch habe in 31 Fällen eine Herausnahme der Kinder aus ihren Familien vermieden werden können. In 42 Prozent der Fälle seien ergänzend professionelle Hilfen vereinbart worden.


Günther-Wünsch sieht darin eine Bestätigung für einen Jugendhilfeansatz, der die betroffenen Familien unmittelbar in die Lösungsfindung einbezieht. Eltern und Kinder würden gestärkt und zugleich Menschen aus ihrem persönlichen Umfeld eingebunden.


Die Erfahrungen aus Marzahn-Hellersdorf sollen nach dem Willen der Senatorin künftig berlinweit stärker genutzt werden. Ziel sei es, den Familienrat in den Bezirken verbindlicher zu verankern und gemeinsame Qualitätsstandards zu entwickeln.


Familie entwickelt eigenen Lösungsplan

Das Prinzip des Familienrats setzt auf das persönliche Umfeld der Betroffenen. Gemeinsam mit Verwandten, Freundinnen und Freunden oder anderen Vertrauenspersonen entwickelt eine Familie einen konkreten Plan für den Umgang mit einer schwierigen Situation.


Speziell qualifizierte Koordinatorinnen und Koordinatoren begleiten diesen Prozess.

Das Jugendamt behält dabei seine Verantwortung und soll insbesondere sicherstellen, dass der Schutz sowie die Bedürfnisse der Kinder berücksichtigt werden.


Gordon Lemm, Bezirksstadtrat für Jugend, Familie und Gesundheit in Marzahn-Hellersdorf, sieht den Familienrat als wichtigen Bestandteil eines Jugendamtes, das Familien möglichst frühzeitig dabei unterstützen wolle, selbst tragfähige Lösungen zu entwickeln.


Bevor externe Fachkräfte stärker eingreifen oder Kinder aus einer Familie herausgenommen werden müssten, solle möglichst dort angesetzt werden, wo die konkreten Probleme im Alltag der Familien entstehen.


Mehr als 560 Familien bekamen Angebot

Zwischen Februar 2022 und März 2026 wurde insgesamt 567 Familien in Marzahn-Hellersdorf ein Familienrat angeboten. Die Evaluation betrachtete neben den konkreten Auswirkungen auf Familien auch die Einführung des Modells im Bezirk, den Einsatz im Kinderschutz, mögliche finanzielle Auswirkungen sowie Bedingungen für einen erfolgreichen Familienrat.


Nach Einschätzung von Heinz Müller vom Institut für Sozialpädagogische Forschung Mainz (ism) könne das Verfahren eine Lücke zwischen dem Familienalltag und professionellen Hilfsangeboten schließen. Vereinbarungen würden gemeinsam mit der Familie und ihrem sozialen Netzwerk entwickelt, während Fachkräfte den fachlichen Rahmen absicherten.


Der Familienrat ersetze professionelle Unterstützung nicht. Er könne jedoch dazu beitragen, Hilfen zielgerichteter einzusetzen und in geeigneten Fällen stationäre Hilfen zu verkürzen oder zu vermeiden.


Eine Million Euro zusätzlich für den Bezirk

Marzahn-Hellersdorf hat das Instrument in den vergangenen Jahren ausgebaut. Dafür erhält der Bezirk nach Angaben der Verwaltung jährlich zusätzlich eine Million Euro aus dem Flexibudget.

Seit Anfang 2026 können Familien zudem während einer offenen Sprechstunde des Bezirksamtes einen Gutschein für einen Familienrat erhalten und sich anschließend unmittelbar an das Familienratsbüro wenden.


Damit soll Hilfe möglichst früh einsetzen, bevor sich Schwierigkeiten weiter verschärfen.

Die Nachfrage steigt deutlich. Bis Ende Juli 2026 seien bereits mehr als 200 Anfragen eingegangen. Für das gesamte Jahr rechnet das Jugendamt mit rund 400 Familienräten. Wartelisten gebe es derzeit nicht.


Familienrat bereits in zehn Berliner Bezirken

Das Modell ist inzwischen weit über Marzahn-Hellersdorf hinaus verbreitet. Familienräte gibt es nach Angaben der Senatsverwaltung bereits in zehn Berliner Bezirken: Friedrichshain-Kreuzberg, Pankow, Tempelhof-Schöneberg, Reinickendorf, Mitte, Steglitz-Zehlendorf, Lichtenberg, Treptow-Köpenick, Neukölln und Marzahn-Hellersdorf.


Berlinweit stehen dafür mindestens 3,6 Millionen Euro jährlich zur Verfügung.

Weiterentwickelt werden soll insbesondere die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen.

Die Evaluation empfiehlt unter anderem altersgerechte Informationen, eine eigene Vorbereitung der jungen Menschen, bei Bedarf eine Vertrauensperson sowie nachvollziehbare Rückmeldungen dazu, wie ihre Wünsche und Sichtweisen berücksichtigt wurden.


Damit könnte das in Marzahn-Hellersdorf erprobte Modell künftig noch stärker zu einem berlinweiten Instrument werden, um Familien rechtzeitig zu unterstützen und Hilfen möglichst passend zum tatsächlichen Bedarf einzusetzen.

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