Jugend-Check und Wohnagentur - Senat will Berlin kinder- und jugendfreundlicher machen
Berlin - Kinder und Jugendliche sollen bei politischen Entscheidungen in der Hauptstadt künftig stärker mitgedacht werden. Der Senat hat am 8. September die Teilnahme Berlins am Programm „Kinderfreundliche Kommunen“ beschlossen.
Gleichzeitig wurden ein verbindlicher Jugend-Check für Gesetzgebungsverfahren und der Aufbau einer Jugendwohnagentur auf den Weg gebracht.
Kinderrechte sollen in der Politik stärker zählen
Mit der Teilnahme am Programm „Kinderfreundliche Kommunen“ geht Berlin einen besonderen Schritt: Nach Angaben des Senats ist die Hauptstadt der erste Stadtstaat, der sich auf Landesebene an der Initiative beteiligt.
Hinter dem deutschen Programm stehen UNICEF Deutschland und das Deutsche Kinderhilfswerk; Grundlage ist die internationale „Child Friendly Cities Initiative“ von UNICEF.
Die UN-Kinderrechtskonvention soll dabei zum Maßstab für das Handeln der Senatsverwaltungen werden.
Geplant ist ein landesweiter Aktionsplan mit konkreten Maßnahmen und Zuständigkeiten.
Auch die zwölf Berliner Bezirke sollen daran beteiligt werden.
Ganz neu ist das Thema in Berlin allerdings nicht: Mit Pankow und Marzahn-Hellersdorf nehmen bereits zwei Berliner Bezirke am Programm „Kinderfreundliche Kommunen“ teil.
Pankow erhielt 2024 das entsprechende Siegel. Neu ist nun vor allem der gesamtstädtische Ansatz auf Landesebene.
Jugend-Check: Was bedeutet ein Gesetz für junge Berliner?
Besonders konkret wird es beim geplanten Jugend-Check. Gesetze und politische Vorhaben sollen künftig systematisch daraufhin geprüft werden, welche Auswirkungen sie auf Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene haben.
Ihre Perspektive soll damit bereits frühzeitig in Gesetzgebungsverfahren einfließen. Das kann beispielsweise dann relevant werden, wenn politische Entscheidungen Schule, Ausbildung, Wohnen, Mobilität oder Freizeitmöglichkeiten junger Menschen betreffen.
Bildungs- und Jugendsenatorin Katharina Günther-Wünsch erklärte, eine kinder- und jugendfreundliche Stadt zeichne sich dadurch aus, dass sie Bedürfnisse und Rechte junger Menschen ernst nehme.
Jugend-Check, Jugendwohnagentur und die Teilnahme am Programm sollten mehr Beteiligung ermöglichen, Chancengerechtigkeit stärken und die Lebensbedingungen junger Menschen verbessern.
Neue Hilfe auf dem Weg in die erste eigene Wohnung
Der zweite große Baustein betrifft ein für viele junge Berliner schwieriges Thema: die erste eigene Wohnung. Dafür soll eine Jugendwohnagentur aufgebaut werden.
Sie soll insbesondere sogenannte Care Leaver unterstützen – also junge Menschen, die beispielsweise nach dem Aufwachsen in Einrichtungen der Jugendhilfe oder Pflegefamilien den Schritt in ein selbstständiges Leben bewältigen müssen. Auch andere junge Menschen sollen beim Übergang in eigenen Wohnraum Unterstützung erhalten.
Vorgesehen sind nach Angaben des Senats die Vermittlung von bezahlbarem Wohnraum sowie begleitende Beratung. Damit sollen unter anderem Wohnungslosigkeit verhindert und bessere Voraussetzungen für Ausbildung, Beruf und ein eigenständiges Leben geschaffen werden.
Beschlossen ist die Richtung – jetzt folgt die Umsetzung
Mit dem Senatsbeschluss steht die politische Richtung fest. Bei wichtigen praktischen Fragen bleibt die Mitteilung vom 8. September allerdings noch offen: Konkrete Starttermine für Jugend-Check und Jugendwohnagentur, deren organisatorische Ausgestaltung sowie nähere Angaben zu Finanzierung und Personal wurden darin nicht genannt.
Damit wird entscheidend sein, wie schnell aus den angekündigten Instrumenten konkrete Angebote und verbindliche Verfahren werden. Der Anspruch ist jedenfalls groß: Kinder- und Jugendinteressen sollen künftig nicht nur in einzelnen Projekten vorkommen, sondern stärker im politischen Alltag der gesamten Hauptstadt verankert werden.





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