Olympia soll schon vor den Spielen wirken: Berlin startet Sport-Offensive für Kinder
Berlin - Mehr Bewegung in den Schulen, engere Kooperationen mit Sportvereinen und sichere Schwimmfähigkeiten für jedes Grundschulkind: Berlin verbindet seine Bewerbung um Olympische und Paralympische Spiele mit langfristigen Zielen für Kinder und Jugendliche.
Der Senat hat dafür am 8. September die Zukunftsagenda „Die Kinder gewinnen mit Olympia und den Paralympics“ beschlossen. Vorgelegt wurde sie von Bildungssenatorin Katharina Günther-Wünsch, unterstützt wird das Vorhaben von der Senatsverwaltung für Inneres und Sport.
Berlin bewirbt sich im Rahmen von BERLIN+ um mögliche Olympische und Paralympische Spiele 2036, 2040 oder 2044.
Olympia-Effekt soll schon Jahre vorher beginnen
Der zentrale Ansatz: Verbesserungen für Kinder und Jugendliche sollen nicht erst entstehen, falls die Spiele tatsächlich nach Berlin kommen. Vielmehr will das Land bereits in den kommenden Jahren zusätzliche Bewegungsangebote schaffen und Zugänge zum organisierten Sport verbessern.
Günther-Wünsch erklärte, Olympia dürfe für die heutige Generation von Kita- und Schulkindern nicht erst mit einer möglichen Eröffnungsfeier beginnen. Die Begeisterung für den Sport solle genutzt werden, um mehr Bewegung in den Alltag zu bringen, Wege in Vereine zu öffnen und Kindern die Möglichkeit zu geben, unterschiedliche Sportarten und eigene Stärken kennenzulernen.
2027: Mehr Bewegung im Schulalltag
Bereits ab 2027 soll Bewegung stärker über den klassischen Sportunterricht hinaus in Schulen und Ganztagsangebote integriert werden. Das sogenannte Bewegungsband soll weiterentwickelt und schrittweise ausgeweitet werden.
Auch Unterricht, Pausen und Ganztag sollen zusätzliche Möglichkeiten für Bewegung bieten. Ziel des Senats ist es, körperliche Aktivität stärker zu einem selbstverständlichen Bestandteil des Schulalltags zu machen.
Bis 2029 soll jede Schule einen Sportpartner haben
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Zusammenarbeit zwischen Schulen und organisiertem Sport. Bis 2029 soll nach den Plänen jede Berliner Schule mindestens eine verlässliche Kooperation mit einem Sportverein, Sportverband oder einem vergleichbaren Partner aufbauen.
Damit sollen insbesondere Kinder erreicht werden, die bislang keinen oder nur eingeschränkten Zugang zu Vereinssport haben.
Sportsenatorin Iris Spranger verwies dabei auf die große Berliner Vereinslandschaft. Nach Angaben des Senats sind allein im Landessportbund rund 2.300 Vereine organisiert. Eine stärkere Zusammenarbeit zwischen Schulen und Vereinen solle deshalb zusätzliche Zugänge zum Sport schaffen.
Berlin plant eigene Jugendspiele
Ab 2029 ist zudem ein neues berlinweites Format vorgesehen: Alle zwei Jahre sollen Berliner Jugendspiele stattfinden. Dabei sollen Kinder und Jugendliche aus allen Bezirken olympische und paralympische Sportarten kennenlernen.
Neben sportlicher Leistung sollen auch Fairness, Respekt, Gemeinschaft und Inklusion im Mittelpunkt stehen. Kinder und Jugendliche mit und ohne Behinderungen sollen gemeinsam teilnehmen können.
Jedes Kind soll seine sportlichen Stärken entdecken
Bis 2032 verfolgt Berlin ein weiteres Ziel: Jedes Kind soll während seiner Schulzeit verschiedene Sportarten ausprobieren und herausfinden können, welche Fähigkeiten und Interessen es hat.
Dabei gehe es ausdrücklich nicht allein um die Suche nach Nachwuchs für den Leistungssport.
Bewegung, Selbstvertrauen und eine dauerhafte sportliche Betätigung sollen ebenso gefördert werden. Kinder mit besonderem sportlichem Potenzial sollen zugleich leichter Zugang zur Talent- und Leistungsförderung erhalten.
2035: Jedes Grundschulkind soll sicher schwimmen können
Besonders konkret ist das Ziel für das Jahr 2035: Spätestens am Ende der Grundschule soll jedes Berliner Kind sicher schwimmen können.
Dafür sollen Wassergewöhnung, schulischer Schwimmunterricht sowie Ferien-, Intensiv- und Vereinsangebote stärker miteinander verbunden und weiterentwickelt werden.
Auch hier setzt der Senat bewusst einen Zeitpunkt vor dem frühestmöglichen Austragungsjahr 2036. Die geplanten Strukturen sollen somit unabhängig davon wirken, ob Berlin später tatsächlich Austragungsort Olympischer und Paralympischer Spiele wird.
Paralympischer Sport von Beginn an eingeplant
Olympischer und paralympischer Sport sollen nach der Zukunftsagenda gleichwertig berücksichtigt werden. Inklusion soll sich deshalb durch sämtliche Vorhaben ziehen – von Kooperationen mit Sportvereinen bis zu den geplanten Jugendspielen.
Olympiabeauftragter Kaweh Niroomand erklärte, Kinder und Jugendliche seien von Beginn an ein wichtiger Bestandteil der Berliner Bewerbung gewesen. Die Bewerbung solle nicht ausschließlich als mögliches Großsportereignis verstanden werden, sondern mit langfristigen Entwicklungen für den Sport in der Stadt verbunden werden.
Damit setzt Berlin für seine Olympia-Bewerbung einen langen zeitlichen Horizont: Die ersten Maßnahmen sollen bereits Jahre vor einer möglichen Austragung greifen. Ob die Spiele am Ende tatsächlich nach Berlin kommen, ist offen – die geplanten Bewegungs-, Schwimm- und Sportangebote sollen nach dem Willen des Senats jedoch dauerhaft bestehen bleiben.





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