Trotz Bundestags-Rückzug: Berlin plant neues Spree-Quartier weiter
Mitte - Am Schiffbauerdamm nimmt eines der spannendsten Stadtentwicklungsprojekte im Herzen der Hauptstadt neue Konturen an: Für den Luisenblock Ost II steht jetzt ein Siegerentwurf fest. Der städtebauliche Realisierungswettbewerb für den Luisenblock Ost II ist entschieden.
Aus 77 eingereichten Entwürfen interdisziplinärer Planungsteams aus Architektur, Stadtplanung und Landschaftsarchitektur hat die Jury drei Preisträger ausgewählt. Den ersten Preis erhält Studio Wessendorf aus Berlin gemeinsam mit Franz Reschke Landschaftsarchitektur.
Damit liegt nun ein städtebauliches Konzept für eines der prominentesten Areale in Berlin-Mitte vor. Geplant ist ein neues urbanes Quartier am Schiffbauerdamm – mit Neubauten für den Deutschen Bundestag, die ver.di-Vermögensverwaltung sowie dringend benötigtem Wohnraum.
Besonders im Fokus steht die Spree: Die Uferzone soll deutlich aufgewertet und zu einer attraktiven, belebten Promenade entwickelt werden.
Ein schwieriges Areal bekommt eine klare Idee
Der Wettbewerb war im Dezember 2025 von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen gemeinsam mit dem Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen ausgelobt worden.
Die Aufgabe war anspruchsvoll: Der Luisenblock Ost II liegt in zentralster Lage, direkt an der Spree, in unmittelbarer Nähe zum politischen Berlin und als Abschluss des sogenannten Bands des Bundes.
Dass der Wettbewerb nun abgeschlossen wurde, ist auch ein Signal für Verlässlichkeit im Planungsprozess. Denn der Deutsche Bundestag hatte zwischenzeitlich beschlossen, das Areal Luisenblock Ost II nicht mehr bebauen zu wollen. Dennoch wurde das Verfahren fortgeführt – nach Angaben der Senatsverwaltung vor allem aus Respekt vor der bereits geleisteten Arbeit der 77 Planungsteams.
Das Land Berlin will sich nun mit den Bundesstellen darüber verständigen, wie die Entscheidung des Bundestages und das gemeinsame Ziel einer zügigen städtebaulichen Entwicklung zu einem städtischen Quartier zusammengebracht werden können.
Siegerentwurf setzt auf drei starke Baukörper
Unter dem Vorsitz des Architekten Prof. Markus Neppl prämierte die Jury drei Entwürfe. Der erste Preis ist mit 35.800 Euro dotiert und geht an Studio Wessendorf, Berlin, mit Franz Reschke Landschaftsarchitektur GmbH.
Den zweiten Preis erhält SERO Architekten BDA aus Leipzig gemeinsam mit SC34 schaefers concept Landschaftsarchitektur aus Kassel und KOLLEKTIV B Architekten aus Leipzig.
Der dritte Preis geht an MESS Stadtplaner Amann & Groß aus Kaiserslautern mit GDLA Gornik Denkel Landschaftsarchitektur aus Heidelberg.
Zusätzlich wurden sechs Anerkennungen vergeben. Prof. Markus Neppl erklärte zum Ergebnis, man habe für die komplexe Aufgabenstellung ein „ziemlich einfaches Ergebnis“ gefunden.
Dieses werte die städtebauliche Situation stark auf, interpretiere sie neu und bilde nun die Grundlage für die weitere Bearbeitung. Es seien „drei Körper“, die sich stark ähnelten und den Ort künftig zu einem sehr interessanten Ort in Berlin-Mitte machten.
Senatsbaudirektorin sieht Grundlage für neues Stück Stadt
Auch Senatsbaudirektorin Prof. Petra Kahlfeldt wertete die Entscheidung positiv. Sie freue sich sehr, dass es gelungen sei, mit einer hochkarätigen Jury ein städtebauliches Konzept auszuwählen, das den hohen qualitativen Ansprüchen an den Ort gerecht werde. Zugleich gehe es darum, ein zeitgemäßes urbanes Quartier zu schaffen.
Damit seien die Grundlagen gelegt, „hier entlang des Schiffbauerdamms die bestehende Stadt mit ihren hohen architektonischen und stadträumlichen Qualitäten weiterzubauen“, so Kahlfeldt.
Für Berlin ist das Projekt damit mehr als nur ein weiterer Bauwettbewerb. Es geht um die Frage, wie die Hauptstadt an einer ihrer sichtbarsten Stellen weiterwächst: dichter, urbaner, öffentlicher – und mit mehr Aufenthaltsqualität an der Spree.
Bezirk Mitte spricht von „Stück Stadt in zentralster Lage“
Mitte-Bezirksstadtrat Ephraim Gothe hob besonders die klare Struktur des Siegerentwurfs hervor. Hier entstehe ein „dichtes, urbanes, gemischt genutztes und durch attraktive öffentliche Räume erschlossenes Stück Stadt in zentralster Lage“.
Vom Wasser aus betrachtet überzeuge der erste Preis durch die klare Setzung von drei Blöcken für Wohnen, Bundestag und ver.di. Der Block für den Bundestag werde durch einen kleinen baumbestandenen Platz in der Mitte besonders hervorgehoben.
Auch die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben und das Bundesbauministerium sehen in den Entwürfen eine wichtige Grundlage für die weitere Entwicklung. Christine Neuhoff vom Bundesministerium erklärte, nun gelte es, auf Basis des Siegerentwurfs und im Dialog mit allen Beteiligten ein neues, lebendiges Quartier zu schaffen.
Bürger können die Entwürfe sehen
Wer sich selbst ein Bild machen möchte, bekommt im Juli Gelegenheit dazu. Die Ausstellung der Wettbewerbsergebnisse wird am Montag, 13. Juli 2026, von 18 bis 20 Uhr im Foyer des Ernst-Reuter-Hauses eröffnet. Die Adresse: Straße des 17. Juni 112, 10623 Berlin.
Ab dem 14. Juli bis zum 24. Juli 2026 werden dort alle Wettbewerbsarbeiten gezeigt. Geöffnet ist montags bis freitags von 9 bis 18 Uhr. An den Wochenenden bleibt die Ausstellung geschlossen. Die Veranstaltung ist barrierefrei und kostenfrei, eine Anmeldung ist nicht erforderlich.





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