Verfassungsschutzbericht 2025: Berlin warnt vor wachsender Extremismus-Gefahr
Berlin - Der Berliner Senat legt den neuen Verfassungsschutzbericht für das Jahr 2025 vor – und die Zahlen zeigen deutlich: Die Sicherheitsbehörden haben mehr denn je im Blick, wie Extremismus, Radikalisierung und ausländische Einflussnahme die Hauptstadt herausfordern.
Auf Vorlage von Innensenatorin Iris Spranger hat der Senat den Bericht zur Kenntnis genommen. Er beschreibt Entwicklungen in den Bereichen Rechtsextremismus, Linksextremismus, auslandsbezogener Extremismus und Islamismus.
Mehr Extremisten in allen Bereichen
Nach Angaben der Innenverwaltung ist das verfassungsfeindliche Personenpotenzial in Berlin in allen Phänomenbereichen gestiegen. Damit steht die Hauptstadt weiter vor einer komplexen Sicherheitslage.
Der Bericht macht deutlich: Extremistische Gruppierungen treten nicht nur sichtbarer auf, sie nutzen auch professionellere Methoden, digitale Räume und gezielte Ansprache junger Menschen.
Innensenatorin Iris Spranger erklärte, der Bericht zeige, wie notwendig es sei, die Demokratie entschlossen gegen innere und äußere Bedrohungen zu verteidigen.
Besonders besorgniserregend sei, dass Extremisten immer stärker Jugendliche und junge Erwachsene ansprechen würden. Familien, Schulen, Vereine, Politik und Sicherheitsbehörden seien deshalb gemeinsam gefordert.
Rechte Szene wird jünger und aggressiver
Im Bereich Rechtsextremismus ist das Personenpotenzial nach Angaben der Innenverwaltung auf 1.480 Personen gestiegen. Im Vorjahr waren es 1.450. Der Berliner Verfassungsschutz führt im Bericht erstmals sogenannte „Gewaltorientierte rechtsextremistische Netzkulturen“ auf.
Gemeint ist eine neue rechtsextremistische Jugendkultur, die sich stark über digitale Räume, Codes und Netzwerke organisiert. Laut Bericht habe gerade diese Szene das Auftreten des Rechtsextremismus in Berlin im vergangenen Jahr spürbar geprägt.
Die Sicherheitsbehörden beobachten damit nicht nur klassische rechtsextreme Parteien und Gruppierungen, sondern auch neue digitale Radikalisierungsformen, die junge Menschen erreichen können.
Brandanschläge und Angriffe auf Infrastruktur
Besonders deutlich fällt der Anstieg im Bereich Linksextremismus aus. Das Personenpotenzial liegt nach Angaben der Innenverwaltung bei 3.950 Personen. Im Jahr zuvor waren es 3.800. Berlin war 2025 wiederholt von Brandanschlägen betroffen, zu denen sich linksextremistische Akteure bekannt haben sollen.
Der schwerwiegendste Fall ereignete sich nach Angaben der Innenverwaltung am 9. September 2025 in Johannisthal. In der Folge konnten zehntausende Berlinerinnen und Berliner über mehrere Tage nicht mit Strom versorgt werden.
Der Bericht beschreibt dabei eine Entwicklung, bei der klandestin agierende Kleingruppen Gewalt gegen staatliche Einrichtungen, Unternehmen und kritische Infrastruktur propagieren und verüben.
Für die Berlinerinnen und Berliner wird damit deutlich: Extremistische Gewalt bleibt kein abstraktes Sicherheitsproblem. Sie kann ganz konkret den Alltag treffen – vom Stromnetz bis zur Versorgungssicherheit.
Antisemitismus bleibt ein Schwerpunkt
Auch der auslandsbezogene Extremismus bleibt laut Bericht ein wichtiger Beobachtungsbereich. Das Personenpotenzial wird mit rund 1.700 Personen angegeben. Im Vorjahr waren es rund 1.680. Einen Schwerpunkt bildeten 2025 erneut israelfeindliche und antisemitische Aktivitäten.
Die Innenverwaltung verweist darauf, dass entsprechende Akteure weiterhin Propaganda verbreitet und Veranstaltungen organisiert hätten, auf denen das Existenzrecht Israels negiert worden sei. Der größte Teil des Personenpotenzials in diesem Bereich wird weiterhin der PKK zugerechnet.
Islamistische Szene wächst deutlich
Im Bereich Islamismus ist das Personenpotenzial nach Angaben der Innenverwaltung auf 2.590 Personen gestiegen. 2024 waren es 2.440. Zurückgeführt wird dieser Anstieg vor allem auf salafistische Bestrebungen.
Besonders im Fokus stehen dabei Online-Aktivitäten internationaler Terrororganisationen sowie salafistischer Prediger. Diese Inhalte verbreiten sich über soziale Medien schneller und direkter als früher. Der Bericht beschreibt die digitale Propaganda als zentralen Radikalisierungstreiber – gerade für junge Menschen.
Berlin setzt auf Wachsamkeit und klare Sicherheitsarbeit
Der Verfassungsschutzbericht zeigt, vor welchen Herausforderungen Berlin steht. Gleichzeitig macht die Veröffentlichung deutlich: Der Senat und die Sicherheitsbehörden benennen Risiken offen und schaffen Transparenz über Entwicklungen, die die freiheitliche demokratische Grundordnung bedrohen können.
Für die Hauptstadt bedeutet das: Sicherheit, Prävention und politische Bildung bleiben zentrale Aufgaben. Der Kampf gegen Extremismus findet nicht nur in Behörden statt, sondern auch im Alltag – in Schulen, Familien, Vereinen und im digitalen Raum.
Der vollständige Berliner Verfassungsschutzbericht 2025 ist über die Veröffentlichungen der Senatsverwaltung für Inneres und Sport abrufbar.





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